Da bin ich sehr neugierig auf die Notes. Die Reihe der 1993 Cognacabfüllungen von UAs (auch gern als Brandy vermarktet) wird ja immer länger. Und was ich bisher im Glas hatte ausnahmslos lecker.
Kräftige Nase, etwas Lack. Oloroso Sherry, geröstete Nüsse. Nahezu keine Frucht! Ist das Cognac oder Armagnac?
Schön prickelnd, herbe Eiche. Sehr dunkel, viel Kaffee und geröstetes Toastbrot. Dunkelstes Karamell, die relativ geringe Alkoholstärke ist keinesfalls störend. Die Tannine sorgen für Power, mehr als ausreichend! Ordentlich Pfeffer, keine Adstringenz. Deutlicher Holzrauch! Tatsächlich nah an Bouju, wenngleich die im gesetzten Alter noch runder sind. Da würd ich noch ne Flasche von nehmen, der entwickelt sich bestimmt mit der Zeit wunderbar. Sehr ähnlich den early landed Sachen der Thompson Brothers, sehr weit weg von dem 93er Pintail.
Wieder ein Fass-gelagerter Brand, der in allen Facetten zeigt, es gibt mit fortschreitenden Alter oft (nicht immer) eine Annäherung des Ausgangsmaterials hin zu einer Art universeller Reife mit tiefer Frucht, integrierten Holznoten, etwas Rancio und einem langen Nachklang.
In der Nase eine schöne und komplexe Fruchtnote. Cognac, Armagnac - keine Ahnung. Die manchen auch älteren Cognacs eigene und leider etwas penetrante Traubigkeit fehlt komplett. Das Aroma ist dunkel, fruchtig, holzig, eine gediegene Bitterkeit gepaart mit schöner Würze. Und all das aus der frisch geöffneten Flasche. Ich bin begeistert. Lecker, zugänglich und gleichzeitig tief - großartig. Das dürfte auch Freunden alter Blends und Sherrymalts recht gut gefallen. Kaufempfehlung.
Nase: Ein dunkles Aromenbild entsteigt dem Glas, rustikale Eichenmöbel mit abblätternder Lackschicht, mit Orangenöl gepflegtes Leder, Pfeifentabak, würzige Walnüsse, frisch gemahlene Kaffeebohnen, Zartbitterschokolade, mit Schwarzkirschen und Backpflaumen gibt es auch ein paar fruchtige Facetten, Korinthen, geschwefelte Dörraprikosen, im Hintergrund verrottet feuchtes Herbstlaub auf einem warmen moosigen Waldboden, Zimt, Muskat, Lorbeerblätter, beim tiefen Schnuppern zeigt sich ein subtil herzhaft-fleischiger und buttriger Unterton
Gaumen: Schwer und ölig auskleidend, von einer kurzen Schwarzpulververpuffung eingeleitet zeigen sich dunkle Früchte, Pflaumenmus und eingekochte Schwarzkirschen werden von Kolanuss und Lorbeer begleitet, dahinter schieben viel Leder und Tabak an, getrocknete Orangenschale, dunkle Schokolade, Espresso ‚‘‘Assam‘‘ Schwarztee, angebrannte Rosinen, ein Tropfen Rosenwasser, würzige Eiche, Walnuss mit ausgeprägtem Häutchen, Graphitstaub, fleischig, Umami, Kalamata-Oliven
Abgang: Langer Abgang, Herrenschokolade, etwas bittere Walnüsse, Backpflaumen, Korinthen, schwarze Oliven mit herben Kräutern, Rosmarin, Salbei, Lorbeer, dunkler Tabak und Leder, nun tauchen doch noch tropische Früchte auf, Passionsfrucht, Mango, weißfleischige Pfirsiche, Lychee, dann holt mich die verkohlte Eiche ein, Graphit, erdig ausklingend, feuchtes Herbstlaub
Bewertung: Ein bisschen Bitterkeit der stark ausgebrannten Eiche muss man schon abhaben können, dann aber gibt es hier einen wirklich schönen dunkelfruchtigen Cognac mit viel Würze und Tiefgang zu entdecken.
“I definitely was attracted to similar things in punk and science. They both depend on a healthy dose of skepticism.” Greg Graffin