Nase: Balvenie mit Port und Eiche. Ich bekomme die Portnote auf jeden Fall deutlicher als beim letzten Mal. Dennoch äußern sich die gesamten Frucharomen irgendwie komisch. Sehr viel Orange und eben die Portwein Fässer. Sehr fruchtig, aber diese beiden Einflüsse zusammen ergeben etwas "neues Ganzes". Dazu deutliche Eiche, etwas Toffee und angebrannte Nüsse. Insgesamt sehr schmeichelhaft und rund. Leichte Honignoten.
Gaumen: Sehr weich und angenehm. Leider wieder nur 40%. Am Gaumen hat es der Porteinfluss schwer sich durchzusetzen. Man hat ihn nicht direkt, es ist eher nachdem man geschluckt hat. Dann bekommt man ihn allerdings auch in der Nase deutlicher. Wieder Röstaromen, Eiche (deutlich, aber dabei nicht störend), Vanille, leichte Blumigkeit und etwas würzig. Die Würzigkeit ist allerdings nicht tonangebend, sondern unterstreicht das Gesamtbild mit etwas Fülle.
Abgang: Port Cask, Eiche, am Anfang etwas Honig. Wirklich leckeres Portfass! Es gibt "solche und solche"... Das hier ist traumhaft für meinen Geschmack. Leckere, süße, dunkle Traube und Beerenfrüchte.
Fazit: Eigentlich ein schöner Whisky. Er macht alles richtig und weiß zu gefallen. Süffig und Rund. Angenehme Aromen und ein angemessenes Finish. Ihm fehlen leider ein paar %vol um vollends zu überzeugen. Es ist nicht übertrieben dünn oder wässrig, aber die Eichenaromen/Holzgewürze sind das einige was ihn ausreichend stabil wirken lässt. Als ersten Malt an einem eher warmen Tag genießen, dann geht das schon.
Mit 160€ aber deutlich zu teuer. Hier wurde allerdings die alte Version in der runden, braunen Tube verkostet (war zuletzt bei ~120€). Ob sich mit dem neuen Design etwas verändert hat, kann ich nicht sagen. Es sind auf jeden Fall leider immer noch nur 40%.
Ich drücke mal ein Auge zu und gebe 87 Punkte. Potenzial hat er aber ohne Ende. Mit 48% sehe ich ihn bei 90/100. Für Leute, deren Leckbrett noch nicht komplett versaut ist, ist der hier auf jeden Fall eine klare Empfehlung!
Nase: Der Ersteindruck ist mild und weinig.Verstörenderweise muss ich für einen Moment an frisch angerührten Tapetenkleister denken. Hintergründig schwingt eine gewisse Note mit, die diese Assoziation provoziert. Ich kann sie schlecht in Worte fassen. Unangenehm ist das aber nicht. Eher interessant. Davon ab verleihen Zitronenschalen und Minze der Nase eine angenehme Frische. Mit der Zeit arbeiten sich Erdbeeren und rote Johannisbeeren in den Vordergrund, während sich der Hintergrund immer stärker zu Wachs und einem knochentrockenen Lederlappen wandelt. Eine Ahnung von altem Eichenholz gesellt sich hinzu.
Mund: Weich und ölig trifft der Tropfen auf die Zungenspitze. Schnell wird klar, dass das Spektrum des Geschmacks etwas schmaler ausfällt, als das der Nase. Malz und Getreide treffen auf reife rote Beeren, die mit einer durchaus leckeren Fruchtsäure aufwarten. Dazu gibt es etwas Pfeffer und Vanille. Ein Hauch Karamell im Hintergrund reicht offenbar als ‚Schmankerl‘, um der Eiche das Signal zum Start in den Abgang zu geben.
Abgang: Das Finish ist mittellang und im Grunde genommen eine konsequente Fortsetzung des Geschmacks. Süß-saurer, mit Pfeffer abgeschmecker Beerensaft klingt zusammen mit Getreide durchaus stimmig nach. Eine Handvoll Mandeln kommen durch und zum Schluß grüßt kurz alt wirkendes Eichenholz. Mit einem ganz dezenten Hang zum Modrigen fällt der finale Vorhang.
Charakter: Das ganze Trio 12y Double Wood, 17y Double Wood und 21y Port Wood kommt mir zu arg konfektioniert daher. Mit ihrer unsäglichen Einheitsfarbe für mich ein klarer Fall von "hätte gekonnt, wurde aber nicht gewollt". Gefärbt, kühlfiltriert und in bzw. nahe der Mindestalkoholstärke abgefüllt, ist meine erste Assoziation "wie die Milka unter den Whiskys" noch viel zu wohlwollend. Fur mich wirken alle drei Abfüllungen nach mehr als zwei Stunden im Direktvergleich, wie der Lebensmittelfabrik von "Brust oder Keule" entsprungen. Der 12er ist für mich die zusammengeklebte Einstiegs-Süßigkeit, der 17er ein parfümierter Butterkeks und der 21er ein Weingummisaft mit Vintage-Eichenholzaroma.
Bewertung: Gefällig, aber für mich in Anbetracht der 21 Jahre eine Enttäuschung. Wie zur Hölle kann hierfür ein solcher Preis aufgerufen werden? Selbst für 70 EUR wäre das für mich kein Großflaschenkandidat. (Ironie an) Zahlen Balvenie-Fans wirklich so viel, um nicht den 12y oder 17y Double Wood trinken zu müssen? Das könnte es sein. (Ironie aus). Der 21y gefällt mir zwar deutlich besser als die beiden vorgenannten Tropfen, aber über 84 Punkte schafft auch er es bei mir heute nicht hinaus.