Geruch: Fruchtig, zuerst zurückhaltend. Und je länger im Glas, desto mehr kommen die Frucht-, Karamell- und Vanillenoten in den Vordergrund, die Eiche schwingt mit im Hintergrund. Kann man oft und lang daran riechen.
Geschmack: Süß. Orange mit Karamell, voll. Der Alkohol mit immerhin 48% ist wieder bestens eingebunden. Beim zweiten Taste gesellen sich noch zarte Kräuter- und Eichennoten sowie Vanillearomen dazu. Die Saftigkeit bleibt, Karamell ebenfalls.
Abgang: Auch im Abgang bleibt das saftige Obstbukett präsent, ehe die Eiche im mittellangen Finish stärker wird, das mir dann auch noch etwas dunklen Honig vermittelt.
Fazit: Ein sehr süffiger Glen Garioch, bei dem die typischen Glen-Garioch-Eichenbitternoten in den Hintergrund treten und die saftig-karamelligen Virgin-Oak-Aromen mit helleren Eichentönen die Hauptrolle spielen. Je länger dieser Garioch im Glas ist, desto mehr Aromen gibt er auch frei. Kann man wegsüffeln wie nix -- aber auch ganz, ganz lang daran riechen und schmecken. Macht 89 Punkte.
Hat mich jetzt auch überrascht, aber der Virgin Oak ist ebenso interessant und vielschichtig wie angenehm zu trinken. Dieser Glen Garioch reiht sich für mich nach dem Renaissance 2nd Chapter 16y in die Spitzengruppe der Standard-Range der Destillerie ein.
Das ist wirklich ein eigenständiger Scotch. Zunächst in der Nase eher zurückhaltend, leicht fruchtig. Am Gaumen dann eine wunderbar volle Fruchtigkeit, Orangen, Nektarinen und Gerstenzucker, nur sehr mäßig süß - bevor die jungfräuliche Eiche übernimmt. Wer kein Holz mag, der ist hier falsch! Im Nachklang macht sich eine würzige Bitterkeit breit mit Anklängen von Angelika und Enzian, eine komplexe Kräuternote. Ein Alter könnte ich nur schwer festmachen.
Der gefällt mir gut, wie eigentlich alles von Glen Garioch! Einziges Manko ist der Preis von 75,- € im März 2022, der mir sehr hoch scheint. Ich hatte 2021 noch 52,- € bezahlt, das passt besser.
Nachdem der Virgin Oak nun seit Jahren Gast in meiner Bar ist, wurde es Zeit, auch mal den Vorgänger zu probieren. In der Nase ist der eher unspektakulär fruchtig süß. Am Gaumen dann bei einem kraftvollen Antritt (48 vol. %) zunächst hellfruchtig mit viel Gerstenzucker. Bis dann zunehmend die Eiche übernimmt und langsam mehr Raum greift, mit holzig-kräutrigen Noten. Aber äußerst maßvoll.
Im Vergleich mit der No. 2 ist das hier die Sommervariante, weit weniger eigenständig, der Virgin-Oak-Charakter kommt nicht ansatzweise so deutlich zum Tragen. Zweifellos ein leckerer Sipper. Könnte ich mir auch gut in Drinks oder aber bei plus 30 Grad mit einem Würfel Eis vorstellen. Mir gefällt da No. 2 wesentlich besser, als Solitär in der Whiskylandschaft ist der charaktervoller und kantiger.