Nase Eine sehr deutliche Karamellnote, die sich da gleich zu Beginn in die Nase schlängelt. Flüssiges Werther‘s Echte. Malz, Toffee, Fudge, darunter Zitronenwasser und weißer Pfeffer. Diese Frische-Brot-Note, die viele Ryes aufweisen, zeigt sich auch hier, obgleich (zunächst) nicht sonderlich ausgeprägt. Bewegt sich mit der Zeit etwas weg von der Karamellnote, wird frischer, spritziger, grüner, und legt jetzt auch in der Abteilung: frisches Brot deutlich nach. Sehr vielseitige Nase. 87
Geschmack Ist zunächst weich und samtig, kommt dann aber sehr rasch mit Pfeffer und Muskatnuss um‘s Eck. Kiwi, Stachelbeermarmelade, etwas Quittengelee. Trockenes Holz, dunkle Schokolade, ein paar Wildkräuter. Sehr angenehmes Mundgefühl mit einem leichten Prickeln von Pfeffer und Chiligewürz. 86
Abgang Mittellang, sehr trocken. Frisch zugeschnittene Eichendielen, noch ungeölt. Pfeffer, Nougat, Marzipan, dunkle Schokolade, kaum noch fruchtig, sondern eher feinherb abtretend. 86
Fazit Der erste Whisky aus der auf dem Gelände der alten Midleton Distillery errichteten Micro Distillery (die Besichtigung der Micro Distillery ist Teil einer Führung duch die alten Gebäude: Jameson Experience). Eröffnet am 16.09.2015 ist es deren erklärtes Ziel, Irish Whiskey nach alter Sitte und nach alten Rezepturen herzustellen. Hier und da kann man lesen, man stütze sich auf Aufzeichnungen von John Jameson II, die bis ins Jahr 1826 zurückreichen. So hat man hier also einen ersten Whiskey mit einer mash bill von 60% Rye und 40% Malted Barley herausgebracht. Er könnte, wenn der new make auch aus den Anfangszeiten der kleinen Brennerei stammt, bis annähernd sechs Jahre alten Whiskey enthalten, da der auf der Flasche aufgedruckte bottle code als Abfülldatum den 14.08.21 anzeigt. Der Name, Rye and Malt, ist Programm, das Wechselspiel zwischen beiden Getreidesorten ist in der Nase und auf der Zunge gut zu beobachten. Sehr gerne mehr davon.
Nase: Grüne Gerstenkörner sind bedeckt mit eingestaubten Getreideflocken, Talkumpuder, dahinter knackiges Kernobst, eher unreife Birne, Apfel, bisschen Limette, versteckte Eiche, Holzmehl, leicht toastig, Vanille, florale Untertöne in Richtung blühender Geranien, wenig Honig, Karamell, mit Standzeit erscheint neben ein paar milden Gewürzen wie Muskatblüte und eine Prise weißer Pfeffer ein Anklang an rohen Brotteig
Gaumen: Sehr leichter und etwas kalkiger Antritt, das fast schon dünne Mundgefühl wird bald durch weißen Pfeffer aufgepeppt, es folgt ein großer Löffel voll überlagerter Getreideflocken, dann dreht es in die fruchtige Richtung, knackige Birne, Apfel, sogar ein bisschen Ananas ist dabei, Muskatnuss, Karamell, minimal Vanille, zunehmend würzig und brotig, Koriandersaat, ganz wenig Piment, Kakao, Süßholz, Kerbel
Abgang: Eher kurz, sandige Birne und mehliger Apfel, Quittenbrot, weißer Pfeffer, Vanille, getoastetes Holz, Karamell, Muskatblüte, mit dem leichten Getreidemuff alten Müslis und ein wenig Kartonage endend
Bewertung: Mit der ‘‘Method and Madness‘‘-Serie lebt die ‘‘Midleton‘‘ Destillerie ihre Experimentierfreude aus und kreiert dabei spannende Whiskeys durch innovative Mash Bills und Fassreifungen. Die hier verwendete Mischung aus Gerstenmalz und Roggen funktioniert recht gut, auch wenn mir ein wenig der besondere Kick fehlt. Alles wirkt elegant und stimmig und besitzt für so einen jungen Whiskey erstaunlicherweise auch keine Fehlnoten, aber das Ergebnis ist auch etwas flüchtig und bleibt nicht lange im Gedächtnis haften. Ich hoffe, da kommt noch mal was mit höherem Alter und gerne auch höherer Alkoholstärke.
“I definitely was attracted to similar things in punk and science. They both depend on a healthy dose of skepticism.” Greg Graffin