Geschmack: weich, schwere Aromen, leichtes Prickeln, Honig, Zitrusaromen, Fruchtsüße von dunklen Früchten, Eichenwürze zeigt sich jetzt deutlicher
Abgang: mittellanger bis langer Abgang, dunkler Honig, Fruchtsüße, "wabbelige" Eichenwürze und wieder ein klein wenig alkoholisches Prickeln
Fazit: Ich gebe eine 3+ in meinem Bewertungsschema (trinkbar), das Aroma war von der Fülligkeit Macallan-like, die Aromen selbst aber eher enttäuschend (wo bleiben die Rosinen?). Er versucht die Sherryfässer auf die Strasse zu bekommen, es fehlen aber die notwendigen PS, keine richtige Balance. Auch hier muss ich wieder zusammenfassend sagen, der Macallan 12 SO (ebenfalls 40%) kann es besser.
Slàinte Mhath
Und: Ich mag KEINE Blindsamples und Busse und aus der 100-Punkte-Bewertung habe ich mich verabschiedet.
Nase: Leichte, frische Sherryaromen ziehen in die Nase. Neben Orangen und ein wenig Zitrone gibt es vor allem Rosinen. Etwas Schokolade ist auch mit dabei. Der Grundton ist dezent nussig. Ich meine rote Johannisbeeren und eine Handvoll roter Äpfel zu erkennen, aber so wirklich viel tut sich fruchtseitig nicht. Oregano und Majoran komplettieren das nicht allzu komplexe aromatische Gesamtbild.
Mund: Weich und vergleichsweise klar trifft der Tropfen auf die Zungenspitze. Auf Anhieb passiert geschmacklich gar nicht so viel: etwas scheu liegt der gute Tropfen im Mund. Das Mundgefühl ist o.k., dürfte aber wirklich nicht dünner sein. Allen voran gibt es dann Rosinen, leicht herbes Getreide und Orangen. Etwas Pfeffer sorgt für eine willkommene Würzigkeit und ich muss an schwarzen Tee denken. Ab und zu blitzt eine florale Note durch, die ich schwer einordnen kann. Ein dezenter Veilchengeschmack mit etwas Lavendel trifft es vielleicht ganz gut. Mittlerweile haben herbe Kräuter und Gewürze recht schnell die Oberhand gewonnen. Oregano, Majoran, Kampher und etwas Kardamom treiben ein bisschen Eichenholz vor sich her und es geht vergleichsweise schnell ins Finish.
Abgang: Das Finish ist allenfalls mittellang. Neben den Rosinen klingen vor allem die herben Kräuter und Gewürze lange nach. Während die Orangen im Hintergrund verblassen, gewinnt jetzt das Eichenholz an Intensität. Es wird von Mandeln begleitet und trocknet hinten raus durchaus angenehm aus.
Charakter: Ein gut trinkbarer, aber irgendwie auch belangloser Macallan, der vom Mundgefühl nicht dünner hätte ausfallen sollen. Mir fehlt es an Wiedererkennungswert. Im positiven Sinne könnte man die Schublade „easy drinking“ aufziehen.
Bewertung:Für diese Abfüllung, an die ich mich bestenfalls erinnere, weil sie keinen Erinnerungswert hat, lasse ich mal durchschnittliche 84 Punkte springen.
Milchstraße, Lokale Interstellare Wolke, Sonnensystem Sol, 3. Planet
Vom Duft her schon viel Eiche. Würde sofort auf einen guten Anteil europäischer Eichenfässer tippen. Abgelagerte Holzspäne und der Geruch von Brennholz aus dem Keller. Dazu Karamell, Brotkruste von gestern und Bratensauce mit einem Hauch Moschus. Erinnert mich irgendwie auch ein wildes Tier aus dem Wald. Ein wenig Putzlappen kommt hinzu. Schokolade und Leder sind da aber auch gut vertreten. Einzig bei den Früchten besteht ein Mangel. Mehliger Apfel, Physalis, überlagerte Walnüsse und mit gutem Willen eine alte vertrocknete Zitrone. Nach einiger Zeit auch Hüttenkäse. Geschmacklich ein wenig dünn, aber nur kurz und das ist nicht ganz so dramatisch. Leicht ölig, eher weniger süß, aber das Aroma von verbrannten Karamell ist vorhanden. Zeitverzögert dann das Eichenfass und das dann recht deutlich. Meine Vermutung auf europäische Eiche wird hier wieder bestätigt. Starke Würzigkeit mit Hang zur stechenden Bitterkeit. Dafür viel Schokolade. Frucht jetzt mal gar nicht. Dann noch so ein Aroma, wie von Backblechen, die mehrmals benutzt wurden, aber zwischendurch nicht richtig sauber gemacht worden sind. Abgang ist mehr als mittellang und ist dominiert von der Eichenwürze. Schlängelt sich so an der Bitterkeitstoleranzgrenze herum. Weiterhin Karamell, Schokolade, Leder. Dahingehend gar nicht verkehrt, aber der fehlende Alkoholdruck und die nicht vorhandenen Früchte sind hier nicht gerade vorteilhaft.
Ach ja, wenn der unter 30€ zu haben wäre, ginge der gut zum Zechen. Für mehr Kohle bringt der einfach nicht genug Komplexität mit und die Eichenfässer bzw. Vorblegungen sind deutlich weniger elegant als beim 12er Sherry. Kein schlechter Whisky, aber auch kein besonders guter.
------------------------------------------------ Quoten-Alien des Forums
Na, Leute haben später erzählt, hätte ich mir Geschichte nur ausgedacht. Böse Leute haben erzählt: Hätte ich Schwäche für Alkohol, die ich auf Erde heimlich mache, aber wenn ich bin auf lange Raumfahrt, dann hemmungslos. Gott allein weiß was gibt für Gerüchte, aber so sind Menschen: Glauben lieber größte Blödsinn, als wahre Tatsache. Ijon Tichy - Raumpilot