Geruch: elegant, süss, salzig, der Rauch ist sanft, geht aber leicht in den medizinischen Bereich, Zitrusfrüchte, Orangen, Blütenhonig, Minze, etwas Ingwer, alte vergilbte Bücher, Ledertöne, mit der Zeit bekommt der Rauch dann doch noch den feinen Speck-Touch, entfernt Schafstall
Geschmack: weich, ausgesprochen süß, merkliches Prickeln, salzig, cremig, der Rauch wird intensiver mit deutlich Umami, Asche, aber ohne des medizinischen Teil aus der Nase, getrocknete Kräuter, die Frucht- und Honignoten aus dem Geruchspart sind jetzt etwas verschwommen
Abgang: lang, salzig, cremig, der Rauch wirkt aschelastiger, Orangenzesten
Fazit: eine schöne Festival-Abfüllung von Lagavulin, die Salzig- und Cremigkeit gefällt mir gut, alles sehr elegant, aber sicher mittlerweile völlig überpreist, keine Ausnahmeerscheinung, aber mit großem Abstand zum Standard-16er.
Nase: Eine Nase zum Dahinschmelzen... Zart-salziger Küstenrauch, verwoben mit süßen Frucht- und belebenen Kräuternoten. Hier steckt viel drin. Keine Spur vom Alkohol. Entferntes Lagerfeuer am Meer, Salzkruste auf einer trocken-gewordenen Schiffsplanke, eine Spur Jod, ein Hauch Menthol, gebratener Bacon, bestrichen mit Barbecuesauce, flambierte Ananas, sogar Gewürznelken, Kiefernöl, Zitronenpaste, getrocknete Orangen, würziger Honig, Sandelholz, Zigarrenkiste, helles Leder, gedörrte Pfirsiche, Sanddornmarmelade, Eichenwürze.
Gaumen: Ausgesprochen öliger und schwerer Körper. Sehr gut integrierter, fast sanft-wirkender, Alkohol und trotzdem eine absolut wuchtige Aromenfracht. Schiffswrack am Meer, überzogen von einer dicken Salzkruste, Jod, schwerer medizinischer Rauch, der Duft eines historischen Schiffsmotors, Sanddorn, Ruß, Tigerbalm, Pfirsich, Minze, Kiefernöl, gedörrte Pfirsiche, Zedernholz, getrocknete Ananas, Tabak, altes Leder, Waldhonig, Trockenkirschen, Eichenwürze.
Abgang: Mittellanges bis langes Finish. Würziger Rauch mit lang nachhallenden Salz- und Würznoten. Der zarte Rauch von fast erloschenem Feuer, in dem Nadelhölzer gelodert haben, Salzblumen, getrocknete Ananas, Vanille, Jod, Rosmarin, Schwarzwälder Kirschtorte, feine Tabak- und Ledernoten, Eichenwürze.
Was für eine beeindruckende Abfüllung! Eine Nase zum Niederknien, absolut maritim, elegant und auch facettenreich. Und am Gaumen - welch imposante Überraschung das für mich war - offenbart sich eine ganz andere Welt und ein ganz anderes Erlebnis. So eine aromatische Spannbreite habe ich kaum bei einer anderen Abfüllung erlebt. Hier wird es herrlich brachial, voll und schwer. Ich hatte dabei im ersten Eindruck die amüsante Assoziation, ich hätte das ausgelaufene Öl eines historischen Schiffsmotors im Mund, vermengt mit Meerwasser, dazu die ätherisch-anmutenden Noten eines ganzen Nadelwalds. Aber auch an Frucht-Aromen wird hier nicht gespart. Richtig toll! So etwas ist von Lagavulin heutzutage natürlich leider nicht mehr zu erwarten, aber angesichts dieser Vielschichtigkeit des Jazz 2011 wundere ich mich kaum über den absurd-hohen Zweitmarktpreis von knapp 2000€.