Nase Eine deutliche Rauchnote, die dem Glas entströmt. Irish Peat, vom Geruch her in keinster Weise mit zB Islay-Rauch zu vergleichen (B+F). Mit Pfeffer und Thymian gewürzte Birnenstückchen, etwas alkoholisch (B). Birnenstückchen auch bei (F), allerdings weniger würzig, eher lieblich, keine alkoholische Note. Mandarinenwasser und grüner Apfel treffen kokelnde Autoreifen (B), Pfirsichsaft, Schnittblumen und Honig halten die Rauchnote im Zaum (F).
Geschmack Kräftiger Antritt mit herb-würzigem Rauch, der sich sofort im gesamten Mundraum ausbreitet. Sehr trocken und pfeffrig. Grüner Apfel, Birne, junge und noch grüne Zweige (B). (F) zwar ebenfalls mit einem kräftigen Antritt, insgesamt aber weicher als (B). Cremig mit Karamell und Vanille, Rapshonig. Die Rauchnote mild, ebenso die Gewürze (F). (B) legt in der Abteilung Trockenheit noch einmal ein paar Scheite Eichenholz vom frisch geschlagenen Baum nach, zudem zieht auch die Rauchnote noch einmal ordentlich an, so dass nun auch warmes Wellblechdach und Maschinenöl dazukommt, eine Mischung aus herben getrockneten Kräutern ebenfalls. (F) ist da wesentlich dezenter und zurückhaltender unterwegs. (B) macht einen auf young ‚n‘ wild, (F) gibt den gesetzten Herrn von Welt.
Abgang (B) macht nach wie vor Rabatz, ist sehr trocken, intensiv rauchig und zieht die gewürzten Birnenstückchen bis zum Schluss durch, (F) dagegen bleibt auch im Abgang lässig und lässt einen lange an Karamell, Vanille, Blockmalz und Toffee teilhaben.
Fazit Das sind sie also, die ersten Whiskys von Waterford, bei denen sowohl Irish Barley als auch Irish Peat Verwendung finden. Terroir, oder: TÉireoir, wie es Mark Reynier in Anlehnung an die irische Bezeichnung Éire für Irland nennt. War irgendwie klar, dass dies einmal so kommen wird, wenn Mark Reynier die Geschicke bestimmt. Ist dies nun das Pendant zu Port Charlotte? Wann kommt der irische Octomore?
Beide Whiskys wurden sehr jung abgefüllt: Ballybannon 1.1: 3 Jahre, 8 Monate, 7 Tage Fenniscourt 1.1: 3 Jahre, 8 Monate, 5 Tage
Die Fässerzusammensetzung ist recht ähnlich:
Ballybannon 1.1: 39% 1st-fill U.S. 21% Virgin U.S. 21% Premium French 19% Vin Doux Naturel
Fenniscourt 1.1: 37% 1st-fill U.S. 19% Virgin U.S. 20% Premium French 24% Vin Doux Naturel
Beim ppm-Gehalt unterscheiden sie sich deutlicher:
Ballybannon 1.1: 47 PPM Fenniscourt 1.1: 38 PPM
Und dieser Unterschied macht sich meiner Meinung sehr deutlich bemerkbar: (B) kommt tatsächlich wesentlich rauchiger rüber als (F). Und was am Verblüffensten dabei ist: Obwohl beide quasi gleich alt sind, wirkt (F) älter als (B), sogar ziemlich eindeutig. Was allerdings beiden gemeinschaftlich fehlt - (B) mehr als (F) -, ist das, was bisherige unpeated Waterford selbst jung abgefüllt auszeichnet: Reife, oder auch Frühreife. Hier scheint die Regel, dass Rauch Jugendlichkeit überdeckt, außer Kraft gesetzt zu sein. Allerdings steckt in beiden Abfüllungen großes Potential. Ein paar Jahre weiter, ein paar Jahre älter…
Und da ich gerade eine Flasche des Port Charlotte Islay Barley 2011 6yo offen habe, vergleiche ich kurz noch beide Waterford mit Mark Reyniers altem Islay-Baby. (F) geriert sich gegenüber (B) als alter Herr - ins Verhältnis gesetzt müßte der PC dann Methusalem sein. Da hat Waterford noch einen Weg vor sich, aber ich werde ihn mit Freuden und großem Vergnügen mitgehen.
Ergänzung nach Flaschenleerung (24.12.2022), gleichlautend zum gestern geleerten Fenniscourt 1.1: Das Thema Flaschenreifung bekommt auch hier (siehe Waterford Fenniscourt 1.1) für mich noch einmal eine ganz neue Bedeutung. Anfangs lag er mir nicht so, aber das gab sich mit zunehmender Zeit und zum Schluss gefiel er mir richtig gut, hatte ich doch das Gefühl, dass die anfänglichen Spitzen komplett verschwunden waren. Meine ursprüngliche Bewertung lasse ich so stehen, da ich der Auffassung bin, dass ein Whisky nicht erst noch ein paar Monate im geöffneten Zustand benötigen sollte, um seine Endqualität zu erreichen.
Nase: Rauch und eine schwere sämige und tragende Süße, Gebäck, braune Butter, Vanille, Karamellcreme, Pudding und Nüsse.
Gaumen: Sehr süß, im ersten Moment etwas Pfeffer auf der Zunge, angebrannter Kuchen und ein öliges Mundgefühl.
Abgang: Süßer sämiger Rauch, etwas Pfeffer und ein öliges Gefühl. Karamellisierter und angebrannter Rand eines Pflaumenkuchens, es wird noch öliger und sirupsüß, Honig und angebrannte Streusel.
Bewertung: Wow, der gefällt mir gut! Der Rauch ist ungewöhnlich und süß und die 50% passen perfekt. Drei Jahre alt? Das Alter ist mir völlig egal, ich finde ihn richtig lecker.