Der 2010-er ist wohl eine third fill Nachreifung. Das heißt, es wurden Fässer benutzt, die bereits zweimal (bei der 2006-er und der 2009-er Abfüllung) zum Nachreifen benutzt wurden. Ich hatte den 2006er und fand ihn ganz gut. Er war allerdings sehr tanninig und Cognac-lastig. Bei dieser Abfüllung waren zudem die zuerst benutzten Bourbon-Fässer keine 1st fill, im Unterschied zu 2009 und 2010.
Nase Eine sehr feine, runde Angelegenheit. Es beginnt mit einem leichten, überhaupt nicht aufdringlichen Rauch aus einer Kombination aus Stein- und Holzkohle, der für eine subtile Mineralität sorgt. Der Rauch untermalt auf angenehme Weise die anderen Aromen. Saft von süßen, reifen Honigmelonen und Ananasstücke tropft vom Grillrost auf glühenden Kohlen. Ein noch warmes mit Vanille angereichertes Bananenbrot liegt zusammen mit ein paar Pfirsichscheiben neben dem Griller auf einem Teller. Der Whisky riecht wie das Dessert nach einem gemütlichen Barbecue. Ein klein wenig ist eine dezent würzige Note vom Eichenholz im Hintergrund zu bemerken. Auch die Jugend zeigt sich am Ende im Geruch nochmals durch ein kurzes Aufwallen einer angenehm frischen Note. Der Alkohol ist gut integriert.
Geschmack Wie in der Nase ist der Benromach auch im Mund eine runde und cremige Angelegenheit. Sofort setzt der Rauch ein, jedoch deutlich präsenter als im Geruch. Er ist nun viel mehr auf der mineralischen Seite, auch maritim mit einer leichten salzigen und trockenen Note. Er harmoniert jedoch weiterhin sehr schön mit den verbleibenden tropischen süßen Früchten. Anders als in der Nase setzen sich danach die mehr würzigen und herben Aromen durch. Getrocknete Küchenkräuter, die Haut von Walnüssen, dunkle Schokolade und auch ein Mehr an Eichenwürze ist nun zugegen. Aber es bleibt alles ausgewogen und lecker.
Abgang Der trockene Holzrauch mit ein paar trockenen Tabakblättern beginnt das mittel- bis lange Finish. Hinzu gesellen sich noch dunkle Schokolade mit höherem Kakaoanteil und die Schalen von Weintrauben.
Fazit Für nur acht Jahre überzeugt dieser Whisky mit seiner Ausgewogenheit. Die Prozente beim Alkohol wurden gut gewählt. Der Whisky braucht nicht mehr. Das Finish in den Weinfässern hat meiner Meinung nach richtig gut funktioniert. Es bleibt immer genug Raum für den charaktervollen Spirit von Benromach. Diese leichte Rauchnote zusammen mit den tropischen Früchten, vor allem in der Nase, und der rauchig/würzigen Seite im Geschmack gefallen mir sehr gut. Ein gutes Beispiel das gute Whiskys nicht immer alt sein müssen.