Wer den 17er mag wird das Tasting Video vllt. interessant finden. Das neue Batch aus 2024 ist um einiges dunkler und vllt. sogar roter als vorangegangene. In dem Video gibt´s zu Anfang eine ganze Menge offtopic. Ab 23:55 geht´s dann endlich um den "neuen" 17 jährigen.
Ein schöner Speysider, viel gesetzter als der 13er, auch Anklänge von süßen Mandeln und Milchschokolade. Die Zitrone ist weg. Irgendwie fehlt mir Volumen. Da finde ich den 13er mit seiner wilden und zitronigen Frische interessanter.
Zitat von Mortlach19 im Beitrag #18Ein schöner Speysider, viel gesetzter als der 13er, auch Anklänge von süßen Mandeln und Milchschokolade. Die Zitrone ist weg. Irgendwie fehlt mir Volumen. Da finde ich den 13er mit seiner wilden und zitronigen Frische interessanter.
Thomas
Und das bleibt als Eindruck auch beim halben Füllstand genau so. Irgendwie bleibe ich bei dieser Abfüllung auf Distanz.
Nase: Ein sauberer, fast chirurgischer Auftakt. Metallisch, wie frisch poliertes Kupfer. Dahinter eine feine Spur von Sherry und Hefe. aber nicht unangenehm. Die Aromatik bleibt klar, kein süßlicher Überschwang, sondern strukturiert, fast industriell. Ein Anflug von kaltem Eisen und Altöl liegt in der Luft.
Geschmack: Der metallische Eindruck setzt sich fort – wie ein altes Kupferrohr, das durch feuchte Erde verläuft. Schwefel schiebt sich kräftig nach vorn, aber kontrolliert, nicht aggressiv. Ein modriger Kellerhall, gepaart mit schwarzem Pfeffer und einem pikanten Würzschub. Soja-Sauce flackert kurz auf, bringt Umami. Old Bottle Flavour? Ja – mit Ecken und Kanten. Der Sherry liegt wie ein dunkler Schatten darunter, tief und ernst. Wasser zähmt die Kanten, bringt sanften Rauch – kaum spürbar, aber elegant eingebunden.
Craigellachie 17 Jahre, 46%. Originalabfüllung ca. 2024. Ausbau: Bourbon- und Sherryfässer
Nase: Streuselkuchen, Malz, heller Honig auf kaltem Kupfer. Dazu Ananas und Vanille-Eiscreme, auch finde ich Mandarinen und Orangen, etwas Müsli und angekohltes Brot. Kling zwar komplexer, ist aber alles sehr fein ineinander verwoben und wirkt damit eher linear fruchtig.
Gaumen: Viel Gebäck. Apfelkuchen, Obsttörtchen, Ananas und Vanillecreme, dazu eine sehr zarte Würze mit einem blassen Schimmer Holzrauch. Keine Ecken, keine Kanten, so stelle ich mir einen typischen Speyside-Whisky vor.
Abgang: Mittellang, malzig, etwas wenige fruchtig als auf dem Gaumen, eine zarte Note von Milchschokolade, ein wenig Holzrauch, Bienenwachs, Kerzendocht.
Fazit: Eleganz in Perfektion, insgesamt super weich und rund, angenehm fruchtig mit eher reifen Gebäckaromen und einem Hauch von Rauch. Für Genießer, jedoch nicht komplex genug für Analysten. 84/100 Punkte (2024)
Bewertung: Ein echter Treppe-runter-Malt, was die intensive Nase verspricht, vermag der Gaumen nur leidlich zu halten und der Abgang hat etwas von einer geschmacklichen Absetzbewegung,- halt mächtig kurz. Der Alkohol ist noch gut eingebunden, der Trunk insgesamt bestenfalls befriedigend.
Kurz: Der jüngere Bruder gefällt mir besser.
Bewertungslegende: sehr gut = top Whisky für besondere Anlässe | gut = Whisky zum Genießen | befriedigend = leckerer All Day Dram | ausreichend = kann man trinken, muss man aber nicht | mangelhaft = nicht mein Geschmack
"Verfallen wir nicht in den Fehler, bei jedem Andersmeinenden entweder an seinem Verstand oder an seinem guten Willen zu zweifeln." (Otto von Bismarck)