Ich habe beim Verfassen all dieser Zeilen in den letzten Tagen – ich habe sie zuletzt in Word vorgeschrieben, damit ich gar nicht erst sehe, was alles über mich hereinbricht – gemerkt, dass sich meine Haltung zu Tasting Notes verändert hat.
Ich habe sie eigentlich immer als "Verkostung" verstanden und mich deshalb über widersinnige Noten wie eben "helle Kräuterwürze" geärgert – weil ich sie nichtssagend und prätentiös fand. Viele Noten empfinde ich unter diesem eng gesetzten Gesichtspunkt wie jenes Quatschgedicht, in dem es u.a. heißt
"Drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft"
Unsinn halt…
Doch so wie dieses bekannte Quatschgedicht oder Das Dietmarsische Lügenmärchen einfach nur Spaß machen und Freude bringen, kann ich das private Verfassen und Veröffentlichen von tasting notes als "Spiel" akzeptieren. Freie Assoziationen beim Genuß von Whisky festhalten – warum nicht!?
Es gab hier mal jemanden, der seine Noten nicht in ein starres Gerüst aus Auge, Nase, Geschmack, Abgang und Fazit gepresst hat, sondern diese in Versform als Gedicht eingestellt hat. Das hat mir damals schon gefallen.
Warum nicht!?
Ich werde es nicht machen und bei kommerziellen TN bin ich nach wie vor sehr kritisch – aber als Spiel ist es okay.
Ich werde mich jetzt eine Weile verabschieden.
Nur nicht immer so ernst!!!!
________________________________________________________________ Gott schütze mich vor "heller Kräuterwürze" und "zart säuerlichem Karamell"...
Zitat von idioteque3 im Beitrag #76Ich frag mal ganz doof: Was wäre denn die Alternative zu Tastingnotes?
Genießen - ohne analytischen Anspruch.
Nö. Beides zu gleich geht auch.
Jo. Ich weiß. - Aber ich sprach vom analytischen Anspruch. Und nicht davon, was unser Zentralorgan auch ohne unser Wollen und Wissen macht. Die Reize werden auch ohne unser Zutun abgeklopft auf Bekanntheit. Sie werden verglichen und der einmal ursprünglich gemachten Erfahrung zugeordnet. Sie werden gleichsam erinnert. Und damit benannt. Ob wir das wollen oder nicht. Beim Sehen kann ich mir die Augen verbinden. Beim Hören ´nen Kopfhörer aufsetzen. Aber beim Riechen? - Klammer auf die Nase (?), weil ich TN (und damit Benennung) nicht mag? Das gleiche beim Schmecken: hau ich mir vorher ordentlich Scoville auf die Zunge, nur, um ja keine Rückmeldung vom Cerebrum zu erhalten??? Natürlich geht (s.o.) beides zugleich auch. Es ist aber ein Unterschied, können zu können und nicht müssen zu müssen...
Je älter man wird, desto ähnlicher wird man sich.
Manchmal sind Nächte, in denen man nicht einschlafen kann, die Nächte, in denen man aufwacht.
Zitat von idioteque3 im Beitrag #76Ich frag mal ganz doof: Was wäre denn die Alternative zu Tastingnotes?
Genießen - ohne analytischen Anspruch.
Nö. Beides zu gleich geht auch.
Jo. Ich weiß. - Aber ich sprach vom analytischen Anspruch. Und nicht davon, was unser Zentralorgan auch ohne unser Wollen und Wissen macht. Die Reize werden auch ohne unser Zutun abgeklopft auf Bekanntheit. Sie werden verglichen und der einmal ursprünglich gemachten Erfahrung zugeordnet. Sie werden gleichsam erinnert. Und damit benannt. Ob wir das wollen oder nicht. Beim Sehen kann ich mir die Augen verbinden. Beim Hören ´nen Kopfhörer aufsetzen. Aber beim Riechen? - Klammer auf die Nase (?), weil ich TN (und damit Benennung) nicht mag? Das gleiche beim Schmecken: hau ich mir vorher ordentlich Scoville auf die Zunge, nur, um ja keine Rückmeldung vom Cerebrum zu erhalten??? Natürlich geht (s.o.) beides zugleich auch. Es ist aber ein Unterschied, können zu können und nicht müssen zu müssen...
Schon klar, aber darum ging es (mir) nicht. Wenn Genießen die Alternative (der Gegensatz?) zu Tastingnotes/zur Analyse ist, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass man analysierend nicht genießen kann. Mir jedoch macht die Analyse eines Whiskys Spaß, so dass ich auch währenddessen genießen kann.
Zitat von idioteque3 im Beitrag #88Du machst ja trotzdem Zuschreibungen, wenn es um die Unterschiede geht, oder?
@idioteque3 Alles was ich kenne kriegt gedanklich eine Zuschreibung. Da stimme ich zu. Nur sind die meisten Whiskys nicht über ihre gesamtes Duftspektrum so leicht zu lesen für mich. Es gibt Aromen, die kann ich nicht einordnen, die kann ich mir nicht merken und ich habe nicht das Gefühl ich würde sie kennen. Da treffe ich (noch) keine Zuschreibung. Und wenn das auf zwei Vergleichswhiskys in einem Aromabereich zutrifft, dann kann ich trotzdem erkennen, das sie da unterschiedlich sind. Ich meine nicht, dass ich dazu eine Zuschreibung benötige.