Nase Seit fünf Minuten ist der Dram im Glas, er entwickelt sich ganz wunderbar. Ich gebe ihm noch ein paar Minuten, bevor ich mit dem Tasting anfange. Weitere fünf Minuten: der wird immer besser. Noch mal fünf Minuten drauf… Ja, jetzt ist er fällig. Tropische Früchte en masse. Bereits am Anfang waren sie vorhanden, die längere Standzeit im Glas hat dafür gesorgt, dass sie immer prägnanter und akzentuierter wurden. Frische und ausgereifte Mango und Maracuja, Ananas, Dragonfruit, Papaya, Mangosteen, Guave, Banane. Multivitamintablette, getrocknete Kräuter, eine gar nicht mal so dezent ausfallende mineralische Note. Die mineralische Note fällt, je länger der Springbank im Fass war, gerne mal hinten runter, ist aber nicht originär dem jungen Destillat vorbehalten, es gibt auch bei älteren Abfüllungen Ausnahmen. Dieser 31yo ist eine solche Ausnahme. Nun auch Grapefruit und Limettenschale, Joghurt, warmer Sand, Maschinenöl.
Geschmack Wunderbar cremiger, süßer, sehr fruchtiger Antritt, die 45.1% sind g-e-n-a-u richtig. Tropische Früchte kleiden sofort und unmittelbar den gesamten Mundraum aus, würzig-trockenes Holz breitet sich zugleich aus. Mango, Papaya, Maracuja, Banane, Guave, Dragonfruit, Grapefruit, Limettenschale, Ananas. Ein Fruchtpunsch sondergleichen. Nach jedem kleinen Schlückchen brandet eine weitere Fruchtwelle an. Die holzig-würzige Trockenheit bleibt durchgehend erhalten, mit der Zeit gesellt sich ein mineralisch-maritimes Aroma hinzu, Salz und schwarzer Pfeffer, etwas geriebene Muskatnuss, etwas Kurkuma. Die (Ge-) Würze bleiben aber sehr zurückhaltend, sie überlassen den tropischen Früchten ohne Zweifel die Hauptrolle. Etwas weiße Schokolade als weitere Grundierung, Mandelmus.
Abgang Ein langer, wirklich langer Abgang. Die tropischen Früchte bleiben ewig, dazu diese angenehme holzige Würze, mineralische Aromen, am Ende sogar noch ein Hauch Torf. Uff, so langsam setzt die Trauer ein, von dem nur ein Sample gehabt zu haben.
Fazit Was für ein Whisky - hoch leben die 80% Bourbon! Das ist ein Springbank, den man mit Bedacht genießen sollte. Und das nicht etwa nur wegen des Preises, nein, vielmehr sollte man ihm Zeit zum Atmen im Glas geben, damit er sein Bouquet voll entfalten kann. Zudem kann es sicherlich nicht schaden, zuvor keinen fassstarken Whisky im Glas gehabt zu haben, damit die 45.1% voll zur Geltung kommen. Dies war heute, nach fünf Tagen ohne Alkohol, mein erster Whisky des Tages, und ich kann Nachahmung nur empfehlen. Großartig, wie sich die tropischen Früchte aufbauen und dann auch über lange Zeit erhalten bleiben. Dabei sind sie nicht zu aufdringlich, dafür sorgen dann schon die mineralischen Aromen und die holzige Trockenheit, die ihrerseits aber auch nicht zu dominant ausfällt. (Springbank Online Tasting 16.07.2026)