Ein erster Kontakt. Standzeit des Whiskys 4 Stunden und 45 Minuten.
Farbe: Stroh
Nase: zu Beginn verhalten, Anklänge von Milchsäure, dann wird er schmutziger, greasy, leicht ranzig, Hafenarbeiter erscheinen vor dem inneren Auge, feuchte Taue mit Salzwasser getränkt, Ölflecken, Anklänge von Brackwasser ebenfalls. Ein auflandiger Wind weht und bringt aromatische Meeresluft mit sich (noch mehr Salz), Wachs, diffuse Fruchtnoten von weißen und gelben Früchten, sogar etwas unreife exotische Früchte wie Mangos, Ananas und Banananen, Süße von Zuckerrohr, erinnert an Rhum.
Nase mit Wasser: die Früchte reifen plötzlich und wabernd vibrierend durchs Glas
Gaumen: Schön ölig, bisschen Ranzig, Lein- und Olivenöl, einer ganzer Korb von Pfeffer, über allem diese schöne Prise Salz und der Geschmack diffuser Früchte
Nachklang: mittel, salzig, aschig, fruchtig, mit Fernweh.
Kommentar: Für mich ein Old Pulteney. Schwer zu lesen, alle Sinne sind gefordert und man muss sich ihm langsam bekannt machen. Einmal kurz probieren reicht nicht, denn was bereits beim ersten Einschenken klar war: das ist was wirklich Besonderes.
Nase: Ein ruhiger Auftakt, der sich Zeit lässt. Schwere Vanillecreme liegt satt im Glas, fast schon cremig zu riechen. Dahinter weht sofort Küste. Kein Postkartenstrand, eher ein Arbeitshafen. Taue, leicht feucht, ein Hauch von Salz und diese schwer greifbare Note von Ölzeug. Leinen und Kräuter geben Struktur, dazu kommen Erdnüsse, trocken, erdig. Eine feine Säure zieht sich durch das Bild, erinnert an vergorenen Apfel, nicht unangenehm, eher belebend. Mirabelle dazu ein Anflug von Ananas. Der Alkohol ist bemerkenswert gut integriert. Nichts sticht, nichts drängt sich vor. Alles wirkt gesetzt, fast gelassen.
Geschmack: Der Einstieg überrascht. Mild, zurückhaltend, bevor sich die herberen Noten entfalten. Hafenwasser, schwer zu beschreiben, aber sofort da. Salz, klar, aber nicht überzogen. Tampen, etwas bitteres, dazu nasses Segeltuch. Der hat Charakter, ohne zu sperrig zu sein. Mit Wasser verändert sich das Bild spürbar. Das Salz tritt stärker hervor, wirkt präziser. Gleichzeitig zeigt sich eine feine Süße, die vorher nur angedeutet war. Eine Spur Mangoschale bringt eine trockene Fruchtigkeit ins Spiel.
Fazit: „Very pure“ sagte mir ein Freund. Das trifft es genau. Klar, ehrlich und ohne Schnörkel.