Vielleicht noch ein Gedanke zur Whiskyromantik in den guten alten Tagen, bevor Single Malt Whisky ein Produkt urbaner Lebensverfeinerung in ausgewählten Exportländern wurde. Wenn ich das Wort lese, fällt mir zuallererst immer ein Fragment aus einer sehr alten TV-Reportage (aus den 1990ern?) über Schottlands Single Malt Whisky ein. An einer Stelle interviewt man einen Hilfsarbeiter in einer heruntergekommenen Destillerie mit verfallenen Ziegelschuppen, alles starrt vor Dreck. Der Mann beschreibt - einigermaßen wortkarg - in dem harten schottischen Dialekt die Notlage, dass diese Destillerie eine der wenigen Arbeitsmöglichkeiten im Ort ist, der schon bessere Tage gesehen hat. Er sieht aus wie 35, ist aber tatsächlich erst 24 und hat erschreckenden Leerstand im Gebiss, offenbar ohne die finanziellen Möglichkeiten, das zahnmedizinisch zu ändern. Diese Destillerie trug den Namen Springbank.
Immer wenn ich mich daran erinnere, finde ich Gefallen an den heutigen Whiskyzeiten. Und dabei ist mir schon bewusst, dass der Löwenanteil der Gewinne auch heute noch eher bei der Besitzerfamilie landet.