hier bin ich ja echt auf Deine Kurznotes gespannt.
Eigentlich müsste der ja eine gewisse Nähe zu Sherry Reifungen aufweisen, da Vin Jaune als Spezialität des Jura ja auch ein lange, unter einem Hefe Flor gereifter Wein ist. Also ein wenig wie Fino Sherry auch wenn eben ganz andere Rebsorten im Spiel sind und ein Vin Jaune i.d.R. viel länger im Fass reift und durch die Verdunstung über die Zeit konzentrierter ist. Zumindest beim Wein schon sehr eigenständig.
Soooo @starviewer ich habe gestern nochmal tief ins Glas geschaut/gerochen/geschmeckt um schöne anständige Notes schreiben zu können
Whisky: Uberach Cask Jaune 2022, 58,7%
erstmal pur probiert, da gibt sich folgender Eindruck:
Nase: überreife/vergorene Traube, spritziger Alkohol, reife, leicht säuerliche Tropenfrüchte Marshmallow (klebrige Süße) , leichtes Eichenaroma, ein bisschen frischer Hefeteig. Insgesamt intensiv, geleitet von Traube und dieser klebrig-trockenen Süße von Marshmallow/Hefeteig. Die anderen Aromen legen sich da gut drunter. Alkohol kommt ordentlich durch, aber weniger heftig als man bei knapp 59% erwarten könnte.
Gaumen: Wird dominiert von überreifer Weintraube inklusive diesem pappig-trockenen, leicht bitteren Geschmack von Weintraubenhaut. Dazu kommt ein Aroma von Marshmallow und Watte, auch ein bisschen Hefeteig. Hervorzuheben ist das Mundgefühl, das ist wirklich diese pappig-trockene, aber auch klebrige Süße als kaue man auf Marshmallows und Watte herum. Der Alkohol kommt bissig daher, dahinter "verstecken" sich die anderen Aromen fast schon, leichte Eichenwürze und Obst ähnlich einer guten Bourbonfassreifung.
Abgang: Lang und relativ intensiv. Deutlich süßer als bisher, das Pappige geht geschmacklich deutlich zurück aber bleibt vom Mundgefühl, aromatisch bleiben Mango, trockener, mineralischer Weißwein, leichte Eichenwürze.
Puh, ein ziemlich herausfordernder Whisky, viele verschiedene Aromen, komplex geschichtet und mit dem Einfluss vom Vin Jaune ein ungewöhnliches Profil und Mundgefühl. Also beim zweiten Mal ordentlich Wasser dazu, da habe ich den auf ca. 45% verdünnt:
Nase: überreife/vergorene Traube, reife Mango, Maracuja, spritziger Alkohol, Marshmallow/Zuckerwatte (klebrige Süße) , leichtes Eichenaroma, Hefeteig. Insgesamt zurückhaltender als pur, aber die Aromen lassen sich deutlich besser identifizieren. Hier kommt auch das benannte Bourbon-Cask-Profil nach vorne und gleicht sich mit den funky Vin Jaune Aromen aus.
Gaumen: Weintraube, angenehmes Eichenaroma, bissiger Alkohol, Mango-Maracuja-Saft, der gleiche trocken-bittere Weintraubenhaut-Geschmack, Marshmallow-Süße. Das ungewöhnliche Mundgefühl bleibt, jetzt aber eher als Ergänzung zum ansonsten sehr süffigen Geschmack. Gleiche Geschichte wie bei der Nase, das Bourbon-Aroma zeigt sich mehr.
Abgang: Mango, trocken-mineralischer Weißwein, warm den Rachen runter, Watte/Marshmallow, das trocken-süßliche Mundgefühl bleibt noch ein bisschen.
Bewertung: Eine positiv ungewöhnliche Abfüllung dank dem Vin Jaune Finish. Auf Cask Strength wirklich gänzlich unorthodox, man kann zwar das Ausgangsdestillat finden und doe Fassreifung erschmecken, aber die Aromen vom Vin Jaune legen sich da so dicht drüber dass man fast schon denken könnte, man hätte einen Weinbrand im Glas. Mit ordentlich Wasser eine gänzlich andere Geschichte, hier wacht die Abfüllung richtig auf und wird gefährlich süffig. Hier ist der Gesamteindruck eher der einer saftigen Bourbonfassreifung mit ordentlich Tropenfrüchten und leichter Eichenwürze, die durch das Finish einen höchst interessanten Schliff bekommen hat, der Whisky und die Weinaromen spielen so super zusammen, der Vin Jaune-Funk wird so zum Hauptargument für die Abfüllung.
Alles in allem ein wunderbare, ungewöhnlicher Whisky! Nachdem ich den zweimal im Glas hatte, ärgere ich mich, nicht selber eine Flasche mitgenommen zu haben, "weil der Koffer ja schon so voll ist"...
sehr schön also nicht nur ein eher seltener und eigenständiger Wein beim Ausgangsfass für das Finish sondern ebenso ein eigenständiges Ergebis. Scheinbar tut ihm Wasser an der Stelle gut, zumindest wenn ich meine Präferenzen betrachte.
Zitat von starviewer im Beitrag #4sehr schön also nicht nur ein eher seltener und eigenständiger Wein beim Ausgangsfass für das Finish sondern ebenso ein eigenständiges Ergebis. Scheinbar tut ihm Wasser an der Stelle gut, zumindest wenn ich meine Präferenzen betrachte.
Wasser ist auf jeden Fall eine gute Idee, ich würde auch behaupten eigentlich unabhängig von eigenen Präferenzen. Es gibt genug Whiskys die ich problemlos mit hoher Fasstärke genießen kann und die meiner Meinung nach auch mit Wasser an Qualität verlieren, aber der Vin Jaune hier wird einfach besser, geschmacklich und vom Gesamterlebnis her, wenn ein guter Schuss Wasser dazu kommt. Ich habe in der Base auch gesehen, dass ältere Abfüllungen mit 47-48% verkauft wurden (dafür aber auch nur ca. 6 Jahre alt), ich kann mir gut vorstellen, dass die direkt aus der Flasche bekömmlicher waren. Wird wohl nur schwierig, bei so einem Nischenprodukt an ne ältere Abfüllung zu kommen...