Nase: Angenehm süß. Viel Honig- und Weinsüße aber eben nicht überwältigend/aufgeladen, sondern wirklich gefällig. Auch die Würze ist nicht grob/heftig, erinnert eher an Küchenkräuter. Mit der Zeit mehr Vanille und weniger Wein. Am Anfang noch rote, dunkle Früchte, jedoch werden die allmählich zu "gelben" Früchten, Aprikosen, Mirabellen und Zitrusfrüchte. Ganz leichte Weinnoten, durchaus nussig. Allgemein ist er trotz der doch langen Portreifung kein Portmonster (liegt sicherlich auch am leaking cask). Das Gefühl der Nase geht für mich definitiv Richtung Landesinnere, Wald und Wiesen, von der Küste hab ich nicht viel, bisschen Salz vielleicht. Außerdem bilde ich mir eine ganz leichte Stall-/Heunote ein, das könnte aber auch einfach der Brenenreiname im Hinterkopf sein.
Eine super entspannte und doch interessante Nase. Zudem entwickelt sie sich über den Abend erfeulich weiter, äußerst vielschichtig. Er wirkt älter als seine 12 Jahre.
Zunge: Wieder zuerst die roten Früchte. Süßer als die Nase. Trotz der niedrigen Prozent verdammt ölig. Dann Vanille/Honig/Malz. Am Gaumen halten sich die roten Früchte bis zum Schluss. Weniger Kräuter, mehr Wald-/Blumenaromen. Natürlich überaus weich. Die einzige Bitternoten habe ich durch Orangenschalen. Allerdings weniger Zitrus im Vergleich mit Nase und Abgang. Wirklich fruchtig-süß, hier ist das Portfass voll da.
Abgang: Erfrischend sauer (Zitrusrichtung, keine Holzsäure). Es bleibt Weinsüße und vor allem die roten Früchte zurück. So komplex-fruchtig wie die Nase. Jetzt hab ich die Nüsse. Der Mund wird langsam trocken, für mich aber ohne Holz-/Bittertöne. Wunderbarer, langer Abgang. Intensiv. Und dabei auch elegant.
Wie man vielleicht herauslesen kann, haben mich im Laufe des Abends vor allem die Nase und der Abgang begeistert. Nicht das er auf Zunge schwer enttäuscht, ich kann einfach nicht die gleichen vielschichtigen Aromen der Nase, in der gleichen Form am Gaumen erkennen. Wobei das bei mir sicherlich auch an den Prozenten liegt, eine geschultere Zunge wird das gewiss hinbekommen. Insgesamt eine interessante und gefährlich süffige Abfüllung. Die lange Portreifung hat sehr gut funktioniert, die Portaromen und "anderen Aromen" (Holz, Brennereicharakter, usw.) harmonieren.
scheint so, als ob Du Dich dann Gestern wirklich intensiv mit dem Aros beschäftigt hast. Das er dabei älter wirkt als die nominellen 12 Jahre, dürfte mit am leaking Cask liegen. Da gibt es eben mehr oxidative Reifung, da der Sauerstoffeintrag im Reifeprozess einfach höher ist. Wenn es um die Frage nach Portmonster oder nicht geht, gibt es hingegen viele Einflussfaktoren. Eben auch die Frage, wie feucht oder trocken war das Fass. Für mich liesst sich das aber so, als ob die Intensität des Portfasses eigentlich sehr passend war, zwar geprägt aber nicht erschlagen und komplett überdeckt hat.
Ich hoffe doch, Du bereust die Flaschenwanderung von mir zu Dir jetzt nicht
@starviewer Das mit der passenden Intensität des Portfasses kann ich nur bestätigen, ich bin überaus glücklich, dass ich mir eine Flasche dieser Abfüllung gesichert habe. Waren ja auch sehr schnell weg, deshalb nochmal vielen Dank! Hoffe, meine Notes lesen sich nicht negativ, das ist nämlich ein richtig feiner Kollege. Meine Begeisterung zum Abgang wollte ich einfach hervorheben, das ist mir dieses Mal aufgefallen. Mir war überhaupt nicht klar, was mich erwartet, eine sehr lange Portreifung und ungewöhnliche Prozente, allzu oft habe ich sowas nicht im Glas. Am Ende war es eben ein wunderbar eingebundenes Finish und überraschend angenehme Prozente.
Und selbst wenn das ein Portmonster gewesen wäre, ich war gestern ziemlich gut gelaunt, meine paar Gläser über den Abend zusammen mit zwei sehr guten Filmen (Wolfen, Howling - 1981, unterschätzte Klassiker) haben für eine schöne Nacht gesorgt, ich wäre für jedes Profil offen gewesen Bei dieser Abfüllung fällt das nachschenken nicht schwer