Nase Fleischig, fett, saftig: das ist keine Nase für Zartbesaitete. Eine wunderbar muffige Fassnote, bei der man anfangs denkt: ist das Schwefel? Nein, ist es nicht, das gehört sich bei Millstone einfach so. Und wenn man schon mal einen Heavily Peated Millstone im Glas hatte, weiß man, in welcher Form sich die Rauchnote darbietet. Lässt sich unglaublich schwer beschreiben und mit nichts von Islay vergleichen. Deftig gewürztes Pflaumenmus, saftige Rosinen, frische Datteln, gekrönt von Liebstöckel, Kardamom, Piment. Ledergeruch, wie er einem in einer Sattelkammer unterkommt.
Geschmack Oh ja, der macht Spaß. Sehr deftig und fleischig, eine Mischung aus geräucherter Mettwurst sowie geräucherter Forelle einerseits und getrockneten und gewürzten Früchten andererseits. Zwetschgen, Feigen, Datteln und Rosinen, Nelkengewürz, Liebstöckel, Piment, Kardamom. Dunkle Schokolade (Scho-Ka-Kola), starker Espresso (ohne Zucker), Karamellbonbon. Eine herbe Mischung herber Kräuter, Schwarztee.
Abgang Ein mittellanger Abgang, und das bei einem 5yo. Sehr anerkennenswert. Noch immer fleisch und ja, sogar fett. Deutlich auf der würzigen Seite, dazu Zwetschgen und Rosinen, kalter Kaffee, Thymian und Nelkengewürz.
Fazit Mein Millstone-Aha-Moment, ich kann es nicht oft genug erwähnen, war, als ich im Rahmen einer Blindverkostung einen heavily peated Millstone für einen Longrow Red gehalten habe. What the f*ck? Und hier hatte ich mir vor der Verkostung dieses Millstone extra einen Longrow ins Glas geholt, um diesen damaligen Eindruck noch einmal zu überprüfen: ja, riecht und schmeckt wie ein aufgebohrter Longrow - oder auch ein Ballechin auf Steroiden. Das Moscatel-Fass scheint noch einmal etwas mehr aus dem Ausgangsdestillat herausholen zu können, denn anders als die Tulip Collection No.1, die in einem PX Cask reifte und ebenfalls fünf Jahre alt ist, knickt diese No.3 im Abgang überhaupt nicht ein.