Hab die Flasche vor drei Jahren für 55,90€, recht angestaubt, im Regal gesehen und einfach mal mitgenommen. Damals hat mir Duncan Taylor nichts gesagt, Aultmore hatte ich noch nie gehabt und auch mit Octave Casks konnte ich nichts anfangen. Natürlich gleich aufgerissen und verkostet: Eine grasige, süße Sherryreifung. Nichts schlechtes aber auch nichts besonderes. Danach wurde die Flasche noch einmal an einem Grillabend herumgereicht (Ich kann mich an das Feedback nicht mehr erinnern) und dann in die hinterste Ecke in meinem Regal verstaut.
Zwei Jahre später wollte ich mir einen gemütlichen Abend machen, ein Film wurde herausgesucht und mir ist eingefallen, dass ich ja einen Aultmore besitze, warum nicht den verkosten. Mittlerweile war mir die Octave-Reihe von DT bekannt und ich wollte diese Abfüllung nochmal neu kennenlernen, dieses Mal mit etwas mehr Erfahrung.
In der Nase verdammt viel frische Kräuter, Heu und viel nasse Wiese. Dabei sehr süß mit einer pfeffrigen Würze. Auf der Zunge geht es genauso weiter mit Kräutern, Gras, trockener Würze und viel Vanille. Im Hintergrund die ganze Zeit eine modrige/muffige Note. Jetzt der Grund warum ich diesen viel zu langen Text schreibe: Der Film, den ich an diesem Abend angeschaut habe, war The King (2019). Wer den Film gesehen hat kann mir zustimmen, wenn ich sage: Die Tasting Notes beschreiben lustigerweise ziemlich gut eben diesen Film, bzw. die Atmosphäre/Sets. Gerade der letzte Akt passt herrlich zum Aultmore. Die Muffigkeit der Weinreifung machte die Burgszenen noch lebendiger, die Holzwürze passt gefühlt sowieso ins Mittelalter und wenn man am Ende des Films zwischen den Rittern morgens in dem nassen Feld steht und später in der verschlammten Wiese liegt, hat man damit die Nase dieses Whiskys erlebt. So schräg das auch klingen mag
Lustig wie das gleichzeitige Konsumieren von Medien und Whisky sich gegenseitig so sehr beeinflusst und die Wahrnehmung, in beide Richtungen, prägt. Wenn ich jetzt an den Whisky denke, hab ich immer den Film im Kopf und umgekehrt. Beide Dinge haben das Erleben des Anderen besser gemacht. Insagesamt würde ich immer noch sagen, dass die Abfüllung objektiv nicht wirklich etwas herausragendes ist aber durch die Verbindung mit diesem einem Abend, ist die Flasche für mich doch irgendwie besonders. Hier habe ich auch mal wieder richtig gemerkt, wie sich mein Geschmack verändert oder verbessert (Kräuter/Holz hätte ich damals nicht beschreiben können). Zudem mag ich auch einfach eine Sherryreifung mit nassen Kräutern, Heu und Holz. So oft hatte ich dieses Profil noch nicht im Glas.