Nase Schnittblumen, Wildkräuter, getrocknete Aprikosen & Ananasscheiben formen einen fruchtig-frischen, in Ansätzen feinherben Auftakt in der Nase. Mandeln, Cashews, Marzipan, Milchkaffee. Im Vergleich zum nur vier Jahre jüngeren Kilkerran 16 sind die mineralischen Noten ordentlich geschliffen worden. Dosen-Mandarinen, Quittengelee, und jetzt - nach einer ganzen Weile - dann doch ein wenig feuchter Kieselstein. 88
Geschmack Cremiger und sehr sanfter Antritt, gleitet weich über die Zunge. Wenn man ansonsten nur Kilkerran HP, 8CS, 12 und 16 gewöhnt ist, befremdet das zunächst und lässt einen stutzen, aber man muss sich dann nur vor Augen führen, dass man es hier mit einem Kilkerran-Senior zu tun hat, um wieder in die Spur zu kommen. Campbeltown-Dreck ist absent, dafür wartet er mit weichen Fruchtnoten auf, die sich irgendwo in der Gegend getrocknete Aprikosen, Mirabellen und Ananas bewegen. Die Ananas schreibe ich den 10 Jahren im Rum Cask zu, da ist neben der Cremigkeit so eine leicht auf der Zunge kribbelnde Note, die ich bei einer reinen Bourbon Cask-Reifung nicht hätte. 89
Abgang Mittellanger, noch immer cremiger und kein Stück trockener Abgang. Es wird allerdings ein wenig herber im Fruchtregal, Grapefruit und Ananas, etwas Zitronensaft. Gewürze stellen sich bis zum Schluss keine ein, kommt auch nicht häufig vor. 88
Fazit Der Versuch einer Annäherung an einen Kilkerran-Senior. Zunächst einmal: dass Glengyle zum 20sten Jubiläum einen 20yo raushaut ist aller Ehren wert. Die kleine Flaschengröße (350ml) sowieso, ohne die Halbierung hätten nur 216 Flaschen unter‘s interessierte Volk gebracht werden können, so waren es 432. Dass älter nicht zwangslogisch bedeutet, dass der Whisky besser als seine jüngeren Brüder ist, zeigt dieser 20yo sehr schön auf. Ob es nun am Rumfass liegt (für meinen Geschmack in letzter Zeit eh etwas inflationär verwendet) oder am Alter: mir persönlich fehlt bei diesem Kilkerran die sperrige Note, der mineralische Punch. Das ist durchaus Meckern auf hohem Niveau, denn er hat definitiv seine Qualitäten, nur fehlt ihm eben das gewisse Etwas, das ein Yes!-Gefühl auslösen könnte.