@Schaal64 Beschleunigte Reifung ist doch nicht neu. Das gab es schon vor Jahren in den USA (Edit.: Lost Spirits Abomination) mit zwei Fässern jungen „Whisky“ aus Schottland. Das Ergebnis hatte ich in Trebsen nach dem Messe Dinner probiert – war sehr merkwürdig. Das wurde damals hier auch ausführlicher irgendwo diskutiert.
Und Spirituosen mit Reifung nach der „Stockhausen Methode“ werden schon in Menge verkauft
Zum Thema KI und Whisky habe ich mir inzwischen eine eigene Meinung gebildet, vor allem bei der Suche nach Informationen…
Nun ja... ich habe ja auch nicht behauptet, dass es neu ist. Das etwas schon "lange" gemacht wird (Stichwort Seven Seals), macht es in meinen Augen allerdings nicht besser. Die erwähnte Literaturrecherche sammelte lediglich alles, was zu diesem Thema bereits auf dem Tisch ist, fasst es zusammen und macht es dadurch noch ein bißchen gruseliger, als es eh´ schon ist.
Es ist kein Zufall, dass im erwähnten Artikel ein Haufen chinesisch klingender Namen auftauchen. Denn dort wird an allem geforscht, was Steigerungen in der wirtschaftlichen "Effizienz" bringen könnte. Die Studie selber ist allerdings eine brasilianische. Es geht auch gar nicht primär um beschleunigte Reifeverfahren, sondern um evtl. Alternativen zu Eichenfässern für z.B. brasilianische Spirituosen. Auch das ist ausgesprochen zeittypisch - denn es geht um "Unabhängigkeit" von möglicherweise rar werdenden "Rohstoffen wie eben z.B. Eichenholz. In ihr tauchen ein Haufen Hölzer auf, von denen ich noch nie etwas gehört habe und welche aromatischen Stoffe diese abgeben könnten - würde man sie nutzen! Es ist also eine Vorbereitungsstudie in welche Richtung es sich lohnen könnte, praktisch zu forschen.
Was ich - auch daran - so gruselig finde, ist das alle Ersatzhölzer und alle Ersatzreifeverfahren das eine Ziel haben, eine unveränderte, geschmacklich nicht von traditioneller Fasslagerung unterscheidbare Spirituosen zu "erschaffen". Was ich persönlich für eine völlige Unmöglichkeit halte. Es ist eine Mischung aus ein bißchen Lendenschurz-Ökologie und ganz viel Ökonomie. Bloß nichts Neues erschaffen, sondern sofort - aber wirtschaftlich viel sparsamer - auf vorhandene Märkte drücken. Immerhin haben die AutorInnen - flapsig gesprochen - darauf hingewiesen, dass man nicht wirklich weiß, was dabei herauskommt, wenn man einen Brand in tropischen einheimischen Hölzern reifen lässt!? Man muß es halt mal versuchen! Sie scheinen sich der Grenzen alternativer Hölzer und technischer Reifeverfahren im Laufe ihrer Studie bewußt geworden zu sein.
Sollen sie es doch machen! Es entsteht dabei halt etwas Anderes. Entsprechend fand sich irgendwo im ellenlangen Text ein Hinweis darauf, dass ggf. eine Spirituose mit stark eigenständigem, regionalem Charakter entstehen könnte - was ja auch ganz gut vermarktbar wäre.
Nur - das war nicht der Ausgangspunkt der Studie...
________________________________________________________________ Gott schütze mich vor "heller Kräuterwürze" und "zart säuerlichem Karamell"...
immer wieder ein schönes Thema das ja nicht nur für Whisky zutrifft sondern für die gesamte Food Branche. Wie baue ich mir mein Produkt kostengünstig so wie ich es will.
Da erscheint manches wie in Frankensteins Labor, wenn ich z.B. an Weinfraktionierung in der Spinning Cone Column denke, was dann über Themen wie eine beschleunigte Reifung noch deutlich hinaus geht.
Auch beim Wein sind beschleunigte Reifungsverfahren bei den industriellen Produzenten ja ebenso ein Thema, angefangen mit der Mikrooxidation über die Ultraschall-Behandlung (Kavitation) zur beschleunigten Polymerisation z.B. von Tanninmolekülen bis hin zu experimentellen Verfahren wie der UV Behandlung (eine Behandlung von UV‑C erscheint in diesem Zusammenhang als sehr interessante Alternative. Sowohl voraussichtliche Kosten, die erwartbare Qualität als auch die praktische Durchführbarkeit erscheinen sehr positiv). Auch der Einsatz von Wechselstromfeldern ist in dem Bereich schon untersucht worden.