Nase Nach einigen Minuten Standzeit ist die zuvor noch etwas angriffslustig wirkende Nase gezähmt und sorgt mit warmem Vanillepudding, süßem Rapshonig und einer Note von frischem Heu für gute Laune. Grapefruit, saure Himbeerdrops und Limettensaft sorgen für fruchtige Frische, salzig-mineralische Noten befördern den Geist an die See. 84
Geschmack Sehr kräftig und fast ein bisschen bissig im Antritt. Nochmal nachsehen: ja, 55.8%, nicht 58.5%, hätte mich nicht gewundert, wenn es andersherum gewesen wäre. Sehr mineralisch auf der Zunge, Grapefruitsaft, eine frisch ausgepresste Zitrone, Brausetablette, ein wenig rotes Weingummi. Kakaopulver, dazu Pfeffer, Majoran und Kerbel. Zunehmend würzig, die Bissigkeit ist nun schon seit längerem abgeklungen. 83
Abgang Gerade noch mittellanger Abgang, trocken, würzig, herb-fruchtig. 83
Fazit Die ersten Batches, Batch #1 bis #3, waren allesamt Ex-Bourbon Cask gereift. Ich habe sie anders als diesen hier in Erinnerung. Weicher, cremiger, reifer wirkend. Und tatsächlich: ein Vergleich mit Batch #2 von 2017, das mit 55.7% beinahe exakt die gleiche Alkoholstärke aufweist wie dieses Batch #8, bestätigt meine dunkle Erinnerung frappierend. Weicher Cremiger Reifer In Batch #2 finde ich keinerlei Spitzen, da gleitet der Whisky einfach so auf die Zunge, lungert herum, hinterlässt lässig seine Aromen, trollt sich nur langsam. Wow, das ist schon ein krasser Unterschied.
Eine interessante Gegenüberstellung @Archer wobei ich erwähnen möchte, dass das Sample von Batch 2 aus einer noch zu ca. 1/3 gefüllten und schon ca. 2 Jahre geöffneten Flasche stammt. Das könnte zumindest zum Teil die Ursache für weicher, cremiger, reifer und runder sein. In meiner Erinnerung hat sich dieser, für mich von Anbeginn an sehr gute Whisky, über die Zeit kontinuierlich und positiv entwickelt. Bin dann mal auf meine eigenen Eindrücke von Batch 8 gespannt.
An der länger geöffneten Flasche kann es natürlich liegen. Allerdings hatte ich meine Flasche des Batch #2 damals in ca. einem 3/4-Jahr geleert, und da ich mich an mehr Cremigkeit und generell eine höhere Zugänglichkeit erinnert habe, dürfte dieses Phänomen ab Öffnen und nicht erst nach einiger Zeit aufgetreten sein.
Mal schauen, was über die Zeit mit Batch #8 noch so passiert.
Nase: Wirkt etwas schüchtern, ein Bett aus feuchtem Stroh steht auf einem kalkig-mineralischen Untergrund, Birne und Banane liegen darin, Gerste, Honig, Heidekraut, leicht toastige Untertöne kommen durch, Vanille, Zitronat, ein Tröpfchen Leinöl, in weiter Entfernung scheint eine dezente Torfnote anwesend zu sein
Gaumen: Öliger Antritt, gleich darauf setzt ein Prickeln mitsamt einer pfeffrigen Schärfe ein, kandierter Ingwer, Zitronendrops verbinden sich mit Birne und getrockneter Ananas, Honig, geschrotete Gerste, das Bourbonfass macht mit einer sanften toastigen Holzigkeit auf sich aufmerksam, Vanille, Karamell, die Mineralität wächst heran, neben viel Kalk macht sich zunehmend Salzlake breit, Leinsamen werden zerkaut, die Torfnote wird deutlicher, minimal Zimt und Anis
Abgang: Mittellang und recht kräftig, mit einer Mischung aus noch angenehmer Bitterkeit und Säure geht es direkt nach dem Runterschlucken in Richtung Grapefruit, um sofort vom getoasteten Fass abgelöst zu werden, Vanille, Sägespäne und Holzmehl, Ananas und Kiwi für einen minimal tropischen Anklang, bissl Zimt, dann schlägt aber wieder die mineralische Seite durch, einmal am Salzleckstein geschleckt und an der Calciumbrausetablette geknabbert, bevor es mit einer getreidigen Gestennote dezent torfig ausklingt
Bewertung: Vielleicht an der ein oder anderen Stelle ein bisschen zu rau und uninspiriert, aber an sich ein solider Malt, der vieles richtig macht, mich jedoch leider nicht so richtig abzuholen versteht.
“I definitely was attracted to similar things in punk and science. They both depend on a healthy dose of skepticism.” Greg Graffin